(K)EIN LETZTES VATERUNSER

von Thomas Klischke

und Hartmut Hühnerbein

(c) by Ralf Triesch

Bearbeitung: Klischke, Hühnerbein
Besetzung: 1 Herr / 1 Dame
max. Rollenzahl: 1
Alter: empfohlen ab 12
Länge: 01:15

Es ist Herbst. Erntezeit. Für den Pensionär Martin Fels kündigt ein Jucken im großen Zeh einen lang ersehnten Tag an. Mit Leiter und Korb, Apfelpflücker und Sicherheits-gurten macht er sich auf in den Garten. Zu seinem Lieblingsbaum, dem Boskop Napoleon. Die Äste wiegen schwer und versprechen volle Körbe mit prallen, saftigen süß-sauren Äpfeln. Das erste Exemplar ist noch nicht gepflückt, da schüttelt ein Schrei den Hobby-Pomologen aus dem Baum.

 

Eine vollkommen aufgelöste Frau bittet Martin alles stehen und liegen zu lassen, ihr Mann läge im Sterben und wünsche mit einem Fremden zu sprechen bevor alles vorbei ist. Etwas widerwillig folgt Martin der Frau und findet sich im Haus der Familie Angelmann wieder. Der Sterbende, Paul Angelmann, erweist sich allerdings als äußerst agil und umtriebig. Hat er doch einige Aufträge für Martin. Ein Schlüssel nebst Brief sollen unauffällig an eine gewisse Jule überbracht werden. Des weiteren eine Kassette mit prekärem Inhalt an Angelmanns Chef bei der Münchener Versicherungsgesellschaft, still und diskret und vor allem vorbei an Angelmanns Frau.

 

Martin fühlt sich unwohl mit seinen Botengängen und will mehr wissen. Aus einfachen Fragen entwickeln sich tiefe Gespräche über die Beziehungen des Kranken zu seiner Frau, den Kindern, Arbeitskollegen und Freunden. Das Leben des Kranken steckt voller Missverständnisse, Fehlinterpretationen, Geheimnisse und Unaufrichtigkeiten. Schließlich wird Martin - ob seiner unbequemen Fragen - von Angelmann rausgeschmissen.

 

Zerrissen hadert Martin mit sich und Gott. Soll er den Sterbenden seinem Schicksal überlassen oder zurückkehren und Angelmann helfen in Frieden aus dem Leben zu scheiden?

 

Die Autoren gehen in ihrem Theatertext - mit einem zwinkernden Auge, aber stets respektvoll - vielfältigen moralischen Fragen des Lebens nach. Wie ehrlich sind wir zu unseren engsten Mitmenschen, der Ehefrau, den Kindern oder Arbeitskollegen? Wie oft belügen wir uns selbst, erst im kleinen und über die Jahre auch im großen? Wie ist es um die Werte bestellt, nach denen wir leben? „Räumen wir genug auf“ in unserem Leben, um unbeschwert, friedvoll und ausgefüllt dem nächsten Tag entgegen sehen zu können? Das Sujet ist denkbar einfach: Ein Mann liegt auf dem Sterbebett und möchte mit einem Unbekannten reden. Der Sterbende hat Aufträge, Wünsche und Bitten an den Fremden. Alles soll diskret und spurlos geschehen. Doch der Fremde spielt nicht mit, stellt Fragen nach Moral und Verantwortung, konfrontiert den Sterbenden mit gegensätzlichen Sicht-weisen und Handlungsoptionen. Und nicht zuletzt gerät auch der Fremde in Zweifel, muss sich immer wieder prüfen und entscheiden, ob und wie er helfen will und kann. Sterben, Humor und Moral – geht das zusammen?

Uraufführung

2019

Stadthalle Haiger

 

Hartmut Hühnerbein,

Pfarrer, Sozialpädagoge und Autor, wurde 1949 in Hildesheim geboren. Er absolvierte zunächst eine Ausbildung zum Speditions-kaufmann, studierte anschließend Päda-gogik an der Evangelischen Fachhochschule Rheinland-Westfalen-Lippe.

 

Es folgte ein Aufbaustudium Evangelische Theologie in der Westfälischen Landes-kirche. Fast vier Jahrzehnte arbeitete Hühnerbein im Christlichen Jugenddorfwerk Deutschlands e.V. und stand viele Jahre an der Spitze dieses Bildungswerkes.

 

Seit 2013 ist er Vorstandsvorsitzender der Stiftung für Christliche Wertebildung. 2016 wurde ihm für seinen großen Einsatz in der Jugendbildung das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. Hühnerbein ist Herausgeber und Co-Autor zahlreicher Bücher, z.B. „Fenster der Hoffnung – Licht und Luft für die Seele“ (mit Andreas Dierssen), „Keiner darf verloren gehen! – Das Leben des CJD Gründers Arnold Dannenmann“ (mit Jörg Möller) oder „Jede Chance hat ihr Gesicht“.

 

„(K)ein letztes Vaterunser“ ist die erste Zusammenarbeit mit dem Autor und Regisseur Thomas Klischke.