PETER PAN

und die INSEL  der FLIEGENDEN FANTASTEN

von Thomas Klischke

nach einer Idee von Carsten Stier

nach Motiven von J.M.Barrie

blu:boks BERLIN

Mit Kindern und Jugendlichen der

blu:boks BERLIN, Thomas Klischke, Olla Golub

Regie + Buch Thomas Klischke

Musik Henrik Böhl, Daniel Neumann, Christian Friedrich
Bühne + Video Sean Keller
Kostüme Christina Halbfas
Dramaturgie Carsten Stier

 

Mandy ist 11, lebt in Berlin, ihre Mutter ist allein erziehend und ihre 8jährige Schwester ist ein ständiger Klotz am Bein. In der Schule ist sie beliebtes Mobbing-Opfer und für eine unbeschwerte Kindheit fehlt ihr die Zeit.

 

Doch dann begegnet sie Peter Pan, dem Jungen, der nie erwachsen wird. Mit seinen Freunden, den fliegenden Fantasten, lebt er auf einer geheimnisvollen Insel. Dort bestimmen Fantasie, Spontanität und Herzlichkeit den Alltag der Kinder.

 

Wovon träumten Sie als Kind? Von Weltfrieden, Abenteuern in der Natur und ausgedehnten Reisen? Wovon träumen Kinder heute? In einer Welt, die immer komplizierter wird, jeden Tag mehr Regeln und Verbotsschilder aufstellt und gut gemeinte Ratschläge erteilt, in der Kinder sich am Ende eines mit Terminen voll gestopften Tages manchmal nur noch wünschen schlafen zu können?

 

Ein Jahr lang haben sich die Kinder und Jugendlichen der blu:boks BERLIN mit dem Thema „Träume und Fantasie“ auseinander gesetzt und unter anderem festgestellt, dass unsere Gesellschaft immer wieder das ewige Mantra Folge deinen Träumen! vorgibt. Wie das geschehen kann ist ihnen aber zu unkonkret. Denn welche Träume sind das überhaupt, heute, 2018, in Berlin-Lichtenberg?

 

Der Autor Trevor Noah schreibt in seiner Autobiographie „Born A Crime“ über die Grenzen der Fantasie: „Wir sagen den Menschen, dass sie ihren Träumen folgen sollen, aber Sie können nur davon träumen, was sie sich vorstellen können, und abhängig davon, woher sie kommen, kann Ihre Vorstellungskraft ziemlich begrenzt sein. (...) Aber die höchste Stufe dessen, was möglich ist, ist weit jenseits der Welt, die man sehen kann.“

 

Die Grenzen der eigenen Vorstellungskraft der blu:boks Kinder und Jugendlichen sind sozialer Stress, Isolation, Überforderung mit Schule oder Elternhaus, Armut, Reizüberflutung durch Medien, Werbung oder irrationale Angst vor dem Fremden oder einer undefinierten Zukunft.

Die blu:boks BERLIN ist überzeugt, die höchste Stufe dessen, was für jede und jeden Einzelnen möglich ist, weit jenseits der Welt, die sie sehen und erleben, angesiedelt ist.

 

Was geschieht, wenn es einen Ort gibt, der nur Kindern gehört, einen Ort, an dem sie bestimmen, wie ihr Tag aussieht und womit sie sich beschäftigen wollen. Ein Ort, an dem nicht verglichen, gemessen und abgesahnt wird. Ein Ort, an dem einander zugehört, mit einander geredet wird, gelacht, gesungen, getanzt, gespielt, gegessen und gechillt wird. Ein Ort, an dem Kinder einander helfen lernen. Helfen zu erleben mit Misserfolgen und Erfolgen gleichermaßen umzugehen. Ein Ort, an dem jede und jeder so sein kann wie sie und er ist. Und genug Zeit bekommt, die Welt zu entdecken und eigenständig zu erobern. Ein Ort, wo Ältere für Jüngere gern und freiwillig Verantwortung übernehmen, wo das Miteinander zählt, die und der Einzelne Platz findet und trotzdem das WIR gelebt wird.

 

Ein Modell der Zukunft braucht nicht nur neue Technologien und eine funktionierende Ökologie, sondern es braucht die Menschen, die gemeinsam darin leben und sie sinnvoll bedienen können. Es braucht Menschen, die gelernt haben, bei Konflikten nicht auseinander zu gehen, sondern sie gewaltfrei und kreativ zu lösen. Die auch bei Engpässen und Schwierigkeiten ihre Grundsolidarität nicht in Frage stellen.

 

Wenn wir uns diesen Ort und das Leben an diesem Ort vorstellen können, dann wird er auch eines Tages Wirklichkeit nicht nur in unseren Köpfen.

 

In unseren Gesprächen mit den Kindern, Jugendlichen und Mitarbeitenden der blu:boks BERLIN, den Interviews, Brainstormings und Fantasie-Übungen haben wir festgestellt, dass Kinder Raum brauchen und wollen. Raum zum Spielen, zum Träumen, zum Ausprobieren, zum Erfahrungen sammeln, einen Raum, in dem ihnen zugehört wird, sie mit Ecken und Kanten akzeptiert werden, sie ernst genommen werden.

 

Kurzum: Kinder brauchen Kindheit. Kindheit, die es erlaubt, wahrhaftig Kind zu sein.

 

Jetzt ist die Zeit mit den Ideen und Gedanken unserer Kinder das Modell einer Gesellschaft aufzubauen, die frei ist von Hass, Lüge, Gewalt und Angst, eine Schule für konkrete Utopie, ein Gewächshaus des Vertrauens, ein Prototyp für ein angstfreies Dasein auf dieser Erde, ein Ort für die Wiedereinordnung der Menschenwelt in die übergeordnete Welt des Lebens und der Schöpfung.

 

Erlauben wir uns – Kinder, Eltern, Großeltern – wieder zu träumen oder wie es im Stück heißt zu „fantastieren“. Geben wir uns diese Chance zurück, träumen wir über unseren Horizont hinaus, handeln wir und fliegen los, zur Insel der fliegenden Fantasten, in unsere Herzen, in unsere Köpfe und schlussendlich – Achtung: Happy End Gefahr! – auf die Erde, die Welt, in der wir leben.

 

Jede große Tat beginnt mit einem kleinen Traum.

 

Berlin, Januar 2018

Carsten Stier – Leiter des Kultur-Campus

Thomas Klischke – Autor, Regisseur

Premiere: 21. Januar 2018

Admiralspalast Berlin

Lichtenberger Preis für Demokratie und Zivilcourage 2018

"Peter Pan und die Insel der Fliegenden Fantasten"