DAS GESTIEFELTE KÄTZCHEN

(c) photographs by Guido Apel, artwork by Isabell Söllner

IV

 

Wer kennt sie nicht? Die Familie Müller aus Bamberg. Seit 100 Jahren die bekanntesten Kutschenverleiher in ganz Franken. Hilmar Müller und seine Frau Ursula stehen ganz in der Tradition eines Familienunternehmens. Die Geschäfte laufen grandios. Und das private Glück stellt sich mit der Ankunft des Nachwuchses Rüdiger ein. 

 

Besonders das Hauskätzchen Foxy, Füchschen genannt, ist ganz außer Rand und Band. Baby Rüdy erweist sich nicht nur als kompetenter Spielpartner, es liebt ebenso leidenschaftlich wie Foxy selbst Milch und Sahnetörtchen. Jahre vollkommener Glückseligkeit vergehen im Hause Müller. Bis, ja bis ... Hilmar zur  Überzeugung gelangt, Rüdy sei anders.

 

"Er spielt mit der Katz, nennt sie Schatz. Er spricht kaum, und wenn, dann benutzt er keine Tunverben!" Ursula begreift und spricht das Unfassbare aus: "So kann er nicht erben!" Richtig. 

Foxy wird wird aus dem Haus gejagt und Rüdiger fortan zum Erben ausgebildet. Und wer könnte das leidenschaftlicher als seine leiblichen Eltern. Homeschooling in Kutschologie, Pferdekunde und Algebra von früh bis spät, Streicheleinheiten in übersichtlichen Dosen und Tunworttraining jeden Tag. 

Drei Jahre später hat Rüdy das süße, rote Kätzchen vollkommen vergessen. Doch ist in ihm stattdessen der perfekte Kutschenverleiher herangereift? Auf einer Messe soll Rüdiger seine Eltern unterstützen und versagt vollständig. Hilmar explodiert. Ursula implodiert. Foxy  - interveniert. "Das Drama braucht eine Wende. Ein Happy mit Ende."

Mit einem kleinen Trick befreit das gestiefelte Kätzchen Rüdy aus dem Elfenbeinturm der Müllers und hilft ihm schlussendlich,  das zu sein, was er wirklich will.