(K)EIN LETZTES VATERUNSER

Hartmut Hühnerbein, Thomas Klischke

 

1H

UA: 22.01.2020 Stadthalle Haiger

Regie: Thomas Klischke

 

PAGEA VERLAG FRANKFURT

 

Es ist Herbst. Erntezeit. Für den Pensionär Martin Fels kündigt ein Jucken im großen Zeh einen lang ersehnten Tag an. Mit Leiter und Korb, Apfelpflücker und Sicherheitsgurten macht er sich auf in den Garten. Zu seinem Lieblingsbaum, dem Boskop Napoleon. Die Äste wiegen schwer und versprechen volle Körbe mit prallen, saftigen süß-sauren Äpfeln. Das erste Exemplar ist noch nicht gepflückt, da schüttelt ein Schrei den Hobby-Pomologen aus dem Baum.

 

Eine vollkommen aufgelöste Frau bittet Martin alles stehen und liegen zu lassen, ihr Mann läge im Sterben und wünsche mit einem Fremden zu sprechen bevor alles vorbei ist. Etwas widerwillig folgt Martin der Frau und findet sich im Haus der Familie Angelmann wieder. Der Sterbende, Paul Angelmann, erweist sich allerdings als äußerst agil und umtriebig. Hat er doch einige Aufträge für Martin. Ein Schlüssel nebst Brief sollen unauffällig an eine gewisse Jule überbracht werden. Des weiteren eine Kassette mit prekärem Inhalt an Angelmanns Chef bei der Münchener Versicherungsgesellschaft, still und diskret und vor allem vorbei an Angelmanns Frau.

 

Martin fühlt sich unwohl mit seinen Botengängen und will mehr wissen. Aus einfachen Fragen entwickeln sich tiefe Gespräche über die Beziehungen des Kranken zu seiner Frau, den Kindern, Arbeitskollegen und Freunden. Das Leben des Kranken steckt voller Missverständnisse, Fehlinterpretationen, Geheimnisse und Unaufrichtigkeiten. Schließlich wird Martin - ob seiner unbequemen Fragen - von Angelmann rausgeschmissen.

 

Zerrissen hadert Martin mit sich und Gott. Soll er den Sterbenden seinem Schicksal überlassen oder zurückkehren und Angelmann helfen in Frieden aus dem Leben zu scheiden?